Praxis Markus Dörrer

                                Heilpraktiker für Psychotherapie

Vorurteile über Autismus


Es gibt eine Vielzahl an Vorurteilen oder falschen Sichtweisen zum Thema Autismus. Die Gründe und

Grundlagen hierfür sind unterschiedlich. Allgemein ist jedoch festzuhalten, dass es für die Zukunft

viel Aufklärungs- und Sensibilitätsarbeit bedarf, damit Autismus als Störungsbild

die Akzeptanz der Mitte der Gesellschaft erhält.


Jeder von Ihnen kann also dazu beitragen, wie lange dies noch dauert.

Patienten, Betroffene und Angehörige werden Ihnen diese Unterstützung danken,

zumal sie noch nicht einmal Geld kostet.



Autist? Bist du dir da wirklich sicher?

 

Autismus ist keine vorübergehende oder phasenhaft verlaufene Störung in der Entwicklung eines

Menschen. Sie begleitet einen sprichwörtlich das ganze Leben. Damit ist in der Regel ein Leidensdruck

verbunden. Nicht immer führt dieser jedoch seinen Weg in eine immer genaueren und fachspezifischeren

klinischen Diagnostik. Wenn jemand also eine fachspezfisch, gesicherte Autismusdiagnose bekommt,

kann er in aller Regel auch davon ausgehen, dass diese zutrifft. Geben Sie daher Menschen mit

Autismus dass Vertrauen, dass Sie für Ihre Diagnose auch verdienen.


 



Du hast nur Asperger? Du bist also gar kein richtiger Autist.



 

Im Zuge der neuesten Fassung der ICD (International Classification of Deases and related Health

Problems) wird zukünftig zwischen einzelnen "Typen" von Autismus nicht mehr unterschieden. Dies soll

auch dazu beitragen dass die Diagnose F 84.5 Asperger-Syndrom nicht mehr als "kleine" oder "light"

Version angesehen wird und Menschen mit dieser Diagnose abwertet. Autismus ist immer ein

heterogenes Störungsbild und ist daher individuell in den einzelnen Bereichen zu betrachten. Aspeger

sagt also nichts über die Schwere einer Autismus Störung auf, sondern beziffert eine "eher" normale

Entwicklung in der Sprache und dass die Symptome i.d.R. erst ab dem fünften Lebensjahr auftreten.

Machen Sie nicht den Fehler und stempeln Sie deshalb vorschnell ab.

 


Autisten haben doch alle eine Inselbegabung

 

Es gibt derzeit weltweit gerade einmal 100 beschriebene Fälle in denen man von einem Savant (Mensch

mit Inselbegabung) spricht. Nicht alle von Ihnen sind automatisch Menschen mit Autisten (ca. 50%).

Nimmt man also alle Zahlen zusammen und setzt diese in eine Relation wird man schnell erkennen, dass

nur sehr sehr wenige Menschen mit Autismus auch eine

Inselbegabung besitzen. Nicht zuletzt trug der Film Rain Men dazu bei, welche für die meisten die einzige

informative Grundlage zum Thema Autismus bildet, dass Inselbegabungen für die gesellschaftliche

Mehrheit automatisch und ausnahmslos autismusbezogen ist.

Stereotypien (Spezialinteressen) sind dagegen etwas sehr häufig anzusehendes Merkmal bei Menschen

mit Autismus. Der Fokus auf diese Interessen nimmt in der Regel sehr viel Zeit und Konzentration in

Anspruch und führt deswegen dazu, dass ein Mensch mit Autismus sich hierin sehr gut auskennt. Diese

Stereotypien geben Menschen mit Autismus Sicherheit und Halt in einer ansonsten für sie oftmals

unsicheren und unverständlichen Umwelt. Respektieren Sie deshalb diese Spezialinteressen und

nehmen Sie ihnen diese nicht weg, (sofern keine eigener oder fremder Gesundheitsschaden zu erwarten

ist).


 

Sind Autisten nicht geistig behindert?



 

 

Nicht umsonst spricht man bei Autismus von einem "Spektrum". Dies soll Mitmenschen die Gewissheit

geben, dass Autismus eine sehr heterogene (uneinheitliche) Störung ist. Diese kann von starker

geistiger Behinderung, bis hin zu hoher Intelligenz und Hochbegabung reichen.

Es gilt also der Grundsatz "Kennt man einen Menschen mit Autismus, dann kennt man genau einen

einzigen."

Gewisse Auffälligkeiten in verschiedenen Bereichen sind "eher häufig" oder "eher selten". Es verbietet
sich jedoch davon auszugehen, dass "alle" oder "nie" etwas ist.


So schlimm kann das doch nicht sein!

 

Wenn Sie die ersten drei Punkte als überraschend, neu und informativ erlebt haben, wie kommen so

viele Menschen dann zu einer Äußerung "dass das alles doch gar nicht so schlimm sei" oder vielleicht

sogar "wenn ich mir das alles einbilde gehe ich bestimmt auch als Autist durch". Das ist nicht nur falsch,

sondern auch noch demütigend und beleidigend in einem. Autismus ist eine Störung, welche sich

insbesondere dadurch auszeichent, dass die äußere Wahrnehmung, nur vereinzelt, bruchstückhaft oder

auch teilweise gar nicht mit der inneren Wahrnehmung zusammenpassen. Wenn man also zu einem

Menschen mit Autismus, oder einen Menschen mit Depressionen, allgemeinen bzw. spezifischen

Angststörungen sagt, "er solle sich zusammenreißen", wie solle dass dann folglich aussehen und vor

allem wie solle das funktionieren? Vielmehr geht es darum, dass Menschen mit Autismus die Grundlage

und Chance erhalten, sich in ihrer Umwelt so entwickeln zu können, dass Sie im Laufe der Zeit die

Möglichkeit besitzen ihre innere Wahrnehmung zu erkennen, zu verarbeiten und ausleben zu können /

dürfen, ohne dafür verurteilt zu werden.


Verstehen Autisten keinen Spaß, wenn sie immer alles wörtlich nehmen?

 

Die Tatsache dass Menschen mit Autismus die Dinge oft "wörtlich" nehmen führt zu Problemen wenn es

um Humor geht. Deswegen empfinden Mitmenschen es öfters so, als besäßen Menschen mit Autismus

keinen Humor. Das ist aber nicht zutreffend. Ganz im Gegenteil. Er trügt sich vielleicht nur anders aus

(wie Sie ihn vielleicht nicht gewohnt sind) oder hat Probleme ihre Art von Humor zu verstehen. Je

vorurteilsfreier man sich gegenseitig begegnet, umso mehr haben beide die Chance vom gegenseitigen

Humor mit einem Lächeln zu begegnen. Denn ein ehrliches und gemeinsames Lachen baut nicht

nur Hemmschwellen und Missverständnisse ab, sondern fördert das Miteinander.


Aber trotzdem, ich habe gehört Autisten wären total gefühlskalt.



 

Ein Mensch mit Autismus ist in aller erster Linie noch immer ein Mensch. Jeder Mensch hat Gefühle und

Menschen mit Autismus sind oftmals sogar noch gefühlsintensiver in ihrem Erleben wie Sie und ich.

Doch störungsbedingte Probleme führen dazu, dass Menschen mit Autismus einen sehr eingeschränkten

Zugang zu bewussten Verarbeiten oder Ausdrücken haben. Emotionen werden dann oftmals nicht nach

außen getragen oder unter Umständen sozial unpassend für die Umwelt. Diese Diskrepanz zwischen

gesellschaftlichen Normen und diesen in dem eigenen Ausdrucksverhalten nicht zu entsprechen

führt dazu, dass viele Menschen denken Autisten hätten keine Gefühle, weil Sie Ihr Ausdrucksverhalten

als solches nicht eindeutig erkennen können. Wenn man auf dieser Basis eine Enttäuschung nach der

anderen erlebt, behält man als Mensch mit Autismus seine Gefühle lieber für sich. Sie können also dazu

beitragen daran etwas zu ändern. 


Alles schön und gut, aber trotzdem ist es doch eine Modediagnose

 

Modediagnose ist ein weit verbreiteter und oft verwendeter Begriff. Leider zu oft sehr fälschlich

gebraucht und missverständlich ausgedrückt. Etwas in "Mode" zu sein, bedeutet eigentlich, dass es im

Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit ist. Das wäre eigentlich per se auch etwas Positives.

Leider wird, andes wie bei der Mode, mit diesem Begriff jedoch herabgesetzt und gedemütigt. Autismus

zu diagnostizieren bedeutet eben nicht, einmal schnell zum Kinderarzt zu gehen. Vielmehr ist es eine

mitunter monatelang bzw. jahrelang andauernde Reise mit unzähligen Bausteinen und Faktoren

(Testungen, Untersuchungen, spezielle Anamnesen, und und und). Auf dieser Grundlage werden also

heutzutage genauer und deswegen auch häufiger Menschen mit einer Autismus Diagnose konfrontiert,

welche früher falsch oder unter Umständen auch gar nicht gesehen worden wären. Deswegen sollte die

Diagnostik auch nur eine Fachklinik mit Spezifizierung für Autismus oder ein Facharzt für

Jugendpsychotherapie und -Psychiatrie mit selbiger vornehmen. Doch auch hier können vereinzelt Fehler

wie überall in der Medizin vorkommen. Dies jedoch als "Mode" zu brandmarken ist falsch.



Also ist "Rain Man" nur Quatsch?


Dustin Hoffmann verkörpert die Rolle eines einzigen Autisten und verursacht in diesem Film, Autismus

den Menschen näher zu bringen. Es zeigt Einblick was alles sein "kann", jedoch nicht muss, wie sie jetzt

wissen. Geben Sie sich und allen Menschen mit Autismus die Chance folgende Grundsätze zu verstehen




"Jeder Mensch mit Autismus ist für sich einzigartig, wie jeder andere Mensch auch."


"Ein Mensch mit Autismus besteht nicht alleine aus seiner Störung, auch wenn sie ihn sein

ganzes Leben lang begleitet."


"Nie und wirklich nie etwas automatisch als Selbstverständlich ansehen."